Hundert-Aufstiegs-Wettbewerb auf dem Jeschken 
Der markante Jeschkengipfel als ein natürlicher Aussichtspunkt, von dem fast ein Drittel Böhmens überschaubar ist, lockt zum Aufstieg seit ehe und je. Auch wenn der Zeitpunkt, an dem die Quarzsteinfelsen zum ersten Mal von Menschenfuß betreten wurden, nicht genau bestimmt werden kann, scheint laut historischen Quellen sicher zu sein, dass der Jeschken seit dem Mittelalter die große Aufmerksamkeit der Menschen aus dem Vorgebirgsland genossen hat. Im 18. Jahrhundert haben dann die Besuche der Tschechen aus der Gegend um Böhmisch Aicha und der Deutschen um Reichenberg zugenommen. Das 19. Jahrhundert war „das goldene Zeitalter“ der Jeschkentouristik. In dieser Zeit hat man hier begonnen, unermüdlich und mit Naturelementen oft grausam kämpfend, Bergbauden und Holzaussichtstürme zu bauen.
Von 1884 war der Hauptverfechter des Jeschkenberges – des Symbols von Reichenberg und eines schönen Ausflugsziels - der Deutsche Verein für Jeschken- und Isergebirge (DGV). Um die Rohanbaude, die damals von einer beliebten Wirtin, genannt „Mutter Krusche“, geführt wurde, bildete sich allmählich eine Gruppe von Touristen und Kletterern, für die der Jeschken fast alles bedeutete. Die Jeschkenbaude hielten sie für ihr zweites Heim und bestiegen den Gipfel bei jedem Wetter mit einem klaren Ziel: möglichst bald hundert Mal den Berg bestiegen zu haben. Ein Vorbild für diese eifrigen Touristen war der Reichenberger Adolf Trenkler, der alltägliches Jeschkenbesteigen als eine Diätkur betrieb und im Jahre 1900 eine bewundernswerte Zahl von 2000 Besteigungen erreichte. Auch wenn böse Zungen behaupteten, dass eine regelmäßige Gipfelbesteigung „eine Krankheit“ gewesen, die vom „Jeschkener Virus“ verursacht worden sei, der die Touristen schließlich zum Psychiater bringe, nahm die Anzahl der Bergliebhaber zu.
Nach dem Aufbau der großen Jeschkenbaude Anfang des 20. Jhs. knüpfte der DGV an diese Tradition an und veranstaltete den „Wettbewerb der Hundertbesteiger“ – jeder Teilnehmer hatte an der Schänke auf dem Jeschken sein Bierglas mit seinem Namen und der Anzahl der von ihm erreichten Hunderte der Aufstiege, die Hundertbesteiger gewannen sehr geschätzte Abzeichen. In der Zwischenkriegszeit wurde der Hundert-Aufstiegs-Wettbewerb zu einem beliebten Hobby der Reichenberger Touristen; die vorderen Plätze im Wettkampf besetzten erstaunlicherweise bald Frauen. Es klingt fast unglaublich, dass während des Jahres 1937 den Gipfel 709mal durch Lilly Flassak bestiegen wurde. Im Jahre 1922 erreichte der Reichenberger Kletterer Rudolf Kauschka mit seinen Freunden den Rekord von 12 Aufstiegen pro Tag. Einen absoluten Rekord von 5000 Aufstiegen erreichte 1937 Frieda Mandelik, die ein silbernes Abzeichen für Hundertbesteiger erhielt. Das Abzeichen aus echtem Gold für 10 000 Aufstiege wurde nicht mehr erteilt, da der Wettbewerb in der Zeit des 2. Weltkrieges gemeinsam mit anderen DGV-Aktivitäten verboten wurde.
Der Gebirgsverein für Iser- und Jeschkengebirge hat nach mehr als ein halbes Jahrhundert dauernder Pause den Hundert-Aufstiegs-Wettbewerb erneuert und hat dazu auch verbindliche Regularien, Ausweise und Abzeichen herausgegeben. Die Regularien für den Hundert-Aufstiegs-Wettbewerb sind auf der Internetadresse www.horskyspolek.cz zu finden oder im Vereinsbüro zu bekommen.
Jizersko-ještědský horský spolek
(Der Gebirgsverein für Iser- und Jeschkengebirge)
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