
Osecna (Markt, roter Weg) – Ploucnice-Quelle 1,5 km – Pass Na Vyprezi 7,5 km (z. T. nicht markiert) – Jesteed-Gipfel 9 km.
Der Weg verbindet zwei der mysteriösesten Orte des Jestedi – die Quelle der Ploucnice (Polzen) und den Gipfel des Jested (Jeschken) – eine heidnische, zwischen Erlen Sand aufwirbelnde Wassergöttin und die von Winden gebeutelten Felsen des Jested. Der Weg durchquert den fast magisch anmutenden Wald Hola, in dem alten Sagen nach seit Urzeiten ein Gespenst haust und führt an Gedenksteinen für die von fürstlichen Jägern erlegten Hirsche vorüber.
Bis auf den letzten Abschnitt vom Gräfin-Winkelbauer-Kreuz zum Jested leichter, zum Radwandern jedoch ungeeigneter Weg.
Osecna (Oschitz) ist von Liberec aus recht problemlos mit dem Bus zu erreichen. Der Stadtkern macht den angenehmen Eindruck einer Miniaturstadt. Hübsch sind der hiesige Markt mit der Veitskirche aus dem 16. Jahrhundert, die Pestsäule und die alten Bürgerhäuser.

Markt in Osecna
Vom Markt aus folgen wir der roten Markierung und erreichen nach kurzer Strecke eine ausgedehnte Wiese, an deren Rand sich die sehr bekannte Jenisovicer Mühle befindet – ein altertümliches und bereits im 16. Jahrhundert erwähntes Gebäude, das obwohl auf den ersten Blick nicht zu sehen, ebenso alt ist wie die Kirche von Osecna. (Kurze Beschreibung der Geschichte im gesonderten Teil zu Januv Dul). Es ist kaum zu glauben, dass die Mühle von einer nur 200 m entfernten Quelle angetrieben wurde. Und doch ist es wahr. Die Quelle der Ploucnice ist so stark, dass an dieser der große Teich Jenisovicky rybnik angelegt werden konnte, der das Wasser sammelte, das anschließend in den Mühlgraben floss.
Der Fluss Ploucnice gehört zu den wichtigsten Wasserläufen Nordböhmens. Erstmals wurde er 1226 als Pulsnice (vergleiche mit dem deutschen Flüsschen Pulsnitz in der Oberlausitz) erwähnt. Ab 1375 bereits als Pluznice bezeichnet bürgerte sich hang des Jested, jedoch ist der dort entspringende Bach so unscheinbar, dass seit jeher die am Grund des Teiches nahe Januv Dul (Johannesthal) weißen Sand aufwirbelnden Quellen als Hauptquellen angesehen werden. Bis zum Zusammenfluss mit der Elbe bleiben der Ploucnice noch 74 Kilometer. Über die Quellen der Ploucnice sind zahlreiche Sagen über Irrlichter, Wassermänner und andere übernatürliche Erscheinungen überliefert (siehe allgemeiner Teil, Kapitel Über die Gewässer in Jestedi).

Mühle in Jenisovice
Der markierte Weg führt vom Teich über eine Wiese weiter zum Dorf Januv Dul, führt durch den Ort hindurch und biegt an den letzten Häusern nach rechts in den weitläufigen Wald Hola ab (die Bezeichnung entstand wahrscheinlich aus einer Zeit eines umfangreichen Holzeinschlags, infolge dessen an zahlreichen Stellen Lichtungen entstanden). Die Mischwälder mit einem hohen Anteil an Lärchen und Kiefern ziehen sich von Januv Dul bis zur Straße Horeni Paseky – Pass Na Vyprezi, wo sie plötzlich in einen Fichtenwald mit Hochgebirgscharakter übergehen, der mit zunehmender Höhe in Richtung Jested zusehends niedriger und lichter wird. Der Wald Hola ist von allen Seiten von Dörfern umgeben und wurde sicher auch deshalb so oft von Schmugglern, Wilderern und alten Weiblein aufgesucht, die hier heimlich Reisig sammelten und Waldgras für das Hausvieh holten. Hier stehen auch die Gedenksteine für die Förster Placht und Friedrich, die von Schmugglern aus dem Podjestedi umgebracht worden waren (siehe Kreuz der Förster Placht und Friedrich). Beide stehen abseits vom markierten Weg und sind am besten anhand der Wanderkarte Jestedsky hrbet 1:25.000 von 1997 zu finden.

Heidnische Atmosphäre an der Quelle der Ploucnice
Der Weg führt durch einen angenehmen Wald bis zu einer Wegkreuzung mit sechs Wegen. Nicht zu übersehen ist linkerhand das gewaltige hölzerne Preußenkreuz (Prusky kriz) mit vergoldeter Christusfigur. Während des preußisch-österreichischen Krieges 1866 befand sich etwa einen Kilometer von hier ein Lager der preußischen Truppen. Noch heute wird die Stelle als Prajzske mejto (Preußische Mautstelle) bezeichnet. Eines Nachts verstarb plötzlich ein junger Rittmeister, der am Morgen darauf an der Kreuzung unter einem Kreuz aus Birkenholz begraben wurde. Bald drauf zog das preußische Heer zur großen Freude der hiesigen Einwohner ab. Das Grab wuchs mit den Jahren mit Heidekraut zu und auch das Kreuz verfiel. Später errichtete man an dieser Stelle ein neues Kreuz zum Dank, dass man den Krieg glücklich überlebt hatte. Doch gerade dieses Kreuz wurde zur Ursache der Angst vieler Wanderer. Vor allem in besonders windigen Nächten waren von diesem merkwürdige Geräusche und Knarren zu vernehmen, das ein loses Blechdächlein verursachte. Die Einwohner der umliegenden Orte beschlossen trotzdem auf Anregung des Pfarrers das alte Kreuz gegen ein neues zu ersetzen und ließen die Kreuzung außerdem noch weihen, um sie ein für allemal von allen Gespenstern zu befreien. So geschehen im Jahre 1905.
Der am weitesten rechts gelegene Weg führt (nach etwa 200 m) zu einer der ältesten menschlichen Herbergen im Jestedi – dem gewaltigen Sandsteinüberhang Jermanska skala als zeitweiliger Unterschlupf in der Bronzezeit. Im 19. Jahrhundert lagerten hier wandernde Zigeuner.

Detail des Preußenkreuzes
Von der Kreuzung wandern wir nach kurzer Wegstrecke über den Kyselinci kopec (571 m), dessen ungewöhnlicher Name an die alte im Podjestedi gebräuchliche tschechische Bezeichnung für Preiselbeeren – kyselinky – erinnert. Einen neuen Heuboden lassen wir rechterhand stehen und überqueren die Hauptstraße. Dahinter beginnt der Weg zu steigen. Nach etwa 300 m steht an der Kreuzung das große hölzerne Gräfin-Winkelbauer-Kreuz aus dem Jahr 1935. Edina Winkelbauer war eine der Töchter von Graf Franz Clam-Gallas und Eigentümerin eines Teils der Wälder im Jested- Gebirge. Der Weg beginnt nun sehr steil zu steigen. Noch im dichten Fichtenwald taucht rechts ein interessantes Denkmal für die Jagd im Jested-Gebirge auf. Das dreiseitige Denkmal ohne Platte wird als Jägerglück bezeichnet. Gerade an dieser Stelle soll 1882 der österreichische Kronprinz Rudolf "seinen" Hirsch erlegt haben. Betreffender Adliger war in diesem Jahr sogar tatsächlich hier und bestieg am 14. Juli den Jested-Gipfel, wo er gemeinsam mit Prinzessin Stephanie die herrliche Aussicht bewunderte. Nördlich von dieser Stelle befinden sich im dichten Wald weitere ähnlich geartete Denkmäler.
Den Gipfel des Cerveny kamen (841 m) mit seinen mächtigen und durch Eisenbeimischungen stellenweise rosa bis rötlich gefärbten Quarzitfelsen und wandern auf dem relativ breiten Weg hinauf zur Kreuzung Nad Vyprezi. Einen halben Kilometer unterhalb der Kreuzung befindet sich im Jungwald der Flieger-Hügel (Mohyla letcu) – ein Denkmal für die Opfer des Flugzeugunglücks vom 20. August 1948, bei dem eine von Prag nach Liberec fliegende zweimotorige Siebel im Nebel die Orientierung verlor und hier am felsigen Abhang des Jested ihr Ende fand. Die zwei Reisenden, zufälligerweise Flugzeugkonstrukteure und die drei Besatzungsmitglieder kamen bei dem Unglück ums Leben. In der Umgebung des Denkmals sind bis heute noch Trümmer des Flugzeugs verstreut.

Flieger-Hügel
Bis zum Jested-Gipfel, den wir einschließlich der weitläufigen Schotterflächen den gesamten Weg ab dem Cerveny kamen aus einer sehr ungewöhnlichen Perspektive beobachten können, ist es nun nur noch ein knapper Kilometer. Von der Aussichtsplattform am Hotel aus können wir nun unsere Wanderung noch einmal nachverfolgen: in den niedrigen Lagen ist sehr schön die Kirche von Osecna, Januv Dul, der weitläufige Wald Hola und der Cerveny kamen zu sehen.
Das Kreuz der Förster Placht und Friedrich
Das Friedrich-Kreuz ist eine sorgfältige Steinmetzarbeit in Porphyr. An der Stelle, wo sich die Balken kreuzen, verkündet eine deutsche schmuckvolle Aufschrift, dass hier am 12. März 1882 ein Mensch ums Leben kam. Ungewöhnlich ist, dass der Name des Betreffenden nicht angeführt wird. Vielleicht kam es später gerade deshalb zu verschiedenen Mutmaßungen über die Todesursache, die übrigens auch heute noch nicht ganz klar ist. Es wird berichtet, dass am genannten Tage hier der 49-jährige herrschaftliche Förster Vinzenz Friedrich umkam. Die Einwohner behaupten sogar, dass er von Wilderern auf qualvolle Weise umgebracht wurde, indem man ihn kopfüber in einen Ameisenhaufen hängte. Sein Grabstein ist als einziger auf dem alten Friedhof von Svetla erhalten geblieben.
Ähnlich ist auch die detailliert überlieferte Geschichte des Försters Placht, dessen Kreuz an der dem Dorf Druzcov (Drausendorf) zugewandten Seite des Waldes Hola steht. Josef Placht wurde 1851 in einer alten Försterfamilie in Kummer (heute Hradcany) in der Gegend von Niemes (Mimoň) geboren, trat in den Dienst des Fürsten Rohan und wurde schon bald im Geiste der Familientraditionen ein gewissenhafter, begabter und ambitionierter Förster und bewohnte das Forsthaus in Horeni Paseky (Ober Passek). Bekannt wurde er durch seine Zuchtversuche. Auf dem Jested-Gipfel pflanzte er gemeinsam mit L. Sweceny die bis heute vorhandenen Bergfichten.
Am 15. April 1893 machte er sich mit den Herren Benes und Muzak auf den Weg, um dem Auerhahn zu lauschen, der zu dieser Zeit im Wald Hola balzte. Es war früh am Morgen, fünf Uhr, unfreundliches Wetter. Unterwegs trennten sich die Männer. Den Förster Placht hat danach niemand mehr lebend gesehen. Muzak und Benes hörten von irgendwo in den Feldern bei Druzcov zwei Schüsse, meinten jedoch, es sei Placht gewesen. Und da beide nichts erlegt hatten, kehrten sie zum Forsthaus nach Horeni Paseky zurück, wo sie auf den Revierförster warten wollten. Als dieser jedoch lange Zeit nicht kam, entschieden sie sich in den Wald zurückzukehren, da sie vermuteten, dass ihm etwas zugestoßen sei. Nach langem Suchen fanden sie endlich die Leiche des Försters. Placht hatte wahrscheinlich Wilderer ertappt und wurde von diesen umgebracht und anschließend beraubt. Der Tote hinterließ eine Witwe und fünf Kinder.
Der Mörder wurde trotz mehrjähriger Fahndung nicht gefunden. Die Reichenberger Zeitungen schrieben mehrmals ausführlich über den Fall, doch auch dies trug nicht zur Ergreifung des Täters bei. Erst im Jahr 1909 kam in einem Gasthaus im Reichenberger Stadtteil Franzendorf (Frantiskov), das viele Gebirgsbewohner nach der Kammüberquerung für einen Imbiss aufsuchten, eine bunte Gesellschaft zusammen. Ein gewisser Florian Bulir verriet in einem Streit, dass sein Bruder – der im Volksmund Berg-Wilhelm (Horsky Vilik) genannte und weithin bekannte Wilderer – Wilhelm Bulir aus Hodky den Förster Placht erschossen habe. Dieser wurde kurz danach von der Reichenberger Polizei verhaftet. Doch auch die Untersuchung beim Gericht in Cesky Dub (Böhmisch Aicha) zog sich endlos hin. Der Bruder Florian, der die Anschuldigung ausgesprochen hatte, zog sie später wieder zurück, so dass der Berg- -Wilhelm letztendlich von der Schuld frei gesprochen wurde.
Es wir jedoch erzählt, dass die Schwester des Wilderers in den vierziger Jahren auf ihrem Todesbett gestand, die Flinte des Bruders nach dem Todesschuss versteckt zu haben. Der Mörder war damit zwar entlarvt, bestraft wurde er jedoch nicht mehr. Er fristete mit verwirrten Sinnen nur noch ein kurzes Leben.